Mehr als ein Fehler

„Der Islam gehört zu Deutschland!“ sagte einst Bundespräsident Christian Wulff, eher anlasslos, während Bundeskanzlerin Angela Merkel sich nicht entblödete, diesen Satz ausgerechnet nach einer Woche abzusondern, in der Terroristen im Namen eben dieses Islam viele Menschen ermordeten.

An dem Satz ist so viel falsch, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Kritik anfangen soll. Zunächst mal kann man ihn mit gutem Gewissen überhaupt nur dann sagen, wenn man den Spruch „das hat alles nichts mit dem Islam zu tun“ verinnerlicht hat. Aber dass dies offensichtlicher Quatsch ist, stand in diesem Blog schon an anderer Stelle.

Sicher, man kann gerne die Meinung vertreten, „den Islam“ gebe es nicht, und die hier an der Stelle stets zu zitierende „übergroße Mehrheit der Muslime“ (die eine weiter erschreckend große Minderheit impliziert) lehne diesen Terrorismus selbstverständlich ab. Dem ist ja wohl auch so. Nur „der Islam“, den es nicht gibt, kann dann natürlich auch nirgendwo hingehören.

Nächster Rettungsversuch: Merkel und Wulff meinten nicht den bösen Islamismus, sondern den guten Islam. Man müsse beides schon unterscheiden. Das allerdings ist einfach: Den Teil des Islam, der einem gerade unangenehm ist, nennt man Islamismus, und was dann übrig bleibt, ist selbstverständlich rein guter Islam. So einfach sollten es sich weder ein Staatsoberhaupt noch eine Regierungschefin machen. Deren Aufgabe wäre es dann schon zu sagen, was für einen Islam sie meinen. Oder meinetwegen nur, was für einen nicht. Bleibt diese Unterscheidung aus, wird die Aussage zum Passepartout, bei dem sich auch Salafisten oder IS-Kämpfer angesprochen fühlen können.

Es kommt aber noch etwas dazu: „Gehört zu“ hat, im Gegensatz zu beispielsweise „ist Teil von“ entweder normativen oder konstitutiven Charakter. Es normativ gemeint zu haben, wäre eine Frechheit gegenüber allen, die mit dem Islam nichts am Hut haben. Eine solche Aussage wäre auch falsch, wenn man sie aufs Christentum bezöge. Deutschland als staatliches Gemeinwesen oder auch als Abgrenzung von Gesellschaft ist nicht auf die Existenz bestimmter Religionen in ihm oder in ihr angewiesen. Und der Islam hat, worauf auch andere schon hingewiesen haben, keinen nennenswerten Beitrag zu dem geleistet, was dieses Deutschland heute ausmacht. Dieses dann übrigens im Gegenteil zum Christentum, das tiefe Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen hat, auch bei denen, die sich dessen gar nicht bewusst sind oder diese auf andere Ursachen zurückführen wie z.B. die Aufklärung. Aber das ist Vergangenheit, und daraus lassen sich auch für das Christentum keine aktuellen oder künftigen notwendigen Bezüge zu diesem Deutschland herstellen.

Unzweifelhaft leben in Deutschland viele Muslime, und viele Muslime haben auch durch ihre Arbeit oder unternehmerische Aktivität zum Wohlstand dieses Landes beigetragen. Was auch sonst. Es sind Bürger wie alle anderen, mit denselben Rechten und Pflichten wie Angehörige anderer Religionsgemeinschaften auch. Aber ihr Wirken vor allem mit dem Islam zu verknüpfen, hieße, ihren Glauben zum alleinigen oder beherrschenden Inhalt ihrer Identität zu erklären, also etwas vorauszusetzen, von dem wir doch hoffen, es möge nicht zutreffen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Dieser Satz ist vielleicht sogar mehr als ein Fehler, nämlich eine Dummheit.

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One Comment on “Mehr als ein Fehler”

  1. […] Mehr als ein Fehler → […]


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