Hans-Werner Sinn, SPON und der Weltökonom Heiko Maas

Wer glaubt, führende deutsche Medien und Politiker hätten nur ein Problem, die Stimmung aufgebrachter Menschen in Sachsen zu begreifen, für den gab es jüngst auch anderes Anschauungsmaterial zur Korrektur ihres Irrtums.

Bei SPON wurde über eine Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtet, in der zu den finanziellen Folgen der Einwanderung nach Deutschland Stellung genommen wurde. Lauthals präsentiert wurde als Ergebnis, dass die Netto-Effekte positiv wären, obwohl in der Studie ein differenzierteres Bild vermittelt wurde. Daraufhin meldete sich in der F.A.Z. mit Hans-Werner Sinn einer der weltweit angesehensten deutschen Ökonomen zu Wort und wies darauf hin, dass bei einer Vollkostenrechnung ein anderes Bild entstehe. Worauf wiederum erstens ein gehässiger SPON-Artikel erschien, in dem sich zwei Journalisten nicht entblödeten, Sinn einen „Denkfehler“ zu unterstellen, weil aus ihrer Sicht nur die kurzfristigen Grenzkosten heranzuziehen seien. 

Woraufhin sie natürlich Beifall aus ihrer ideologischen Claque erhielten, an vorderster Front der Justizminister der Groko, der kraft seines eigenen welt-ökonomischen Sachverstands zu diesem Urteil kam:

Oje, was ist nur aus den WiWissenschaftlern des christl Abendlandes geworden. Ganz armselig! (hm) 

Die Antwort Sinns auf den unsäglichen Beitrag bei SPON hat er dann aber vermutlich gar nicht mehr verstanden. Jedenfalls blieb eine Reaktion darauf bis jetzt aus.

Eine Reaktion gab es aber von einem der beiden SPON-Autoren. Er interviewte Sinn, aber nicht als zähneknirschende Korrektur der eigenen steilen Thesen, sondern eher als Zeuge des eigenen Bekenntnisses, wonach Einwanderung insgesamt positiv zu bewerten sei.

Liest man sich dieses Interview durch, so erkennt man auch hier, wie in diesem Land solche Themen „diskutiert“ werden: Jeder hat nur die Wahl, jede Form von Einwanderung entweder pauschal gutzuheißen oder Bewegungen wie Pegida zu unterstützen. Jede Form der Differenzierung spielt nach dieser Sichtweise den Radikalen in die Hände – es gilt einzig und allein, das Glaubensbekenntnis fehlerfrei aufzusagen. Dass von der in überlegenem Ton vorgetragenen Kritik an Sinns Rechnung auch im Interview wenig übrig blieb, spielte nur eine untergeordnete Rolle. 

Dabei waren schon in Sinns FAZ-Artikel drei Forderungen als solche zu erkennen:

  1. Die Einwanderung aus der EU sei dadurch zu regulieren, dass Sozialleistungen nur vom Herkunftsland zu tragen seien.
  2. Die Einwanderung für Länder außerhalb der EU sei durch ein Punktesystem zu regulieren. Sinn beruft sich hier auf die SPD, er hätte aber auch die FDP oder – horrible dictu – die AfD nennen können.
  3. Und im übrigen müsse die Politik dafür sorgen, dass die Einheimischen mehr Kinder bekämen.

Auf keine dieser Forderungen Sinns, zu denen man stehen kann wie man will, wurde in den Medien Bezug genommen, geschweige denn von SPON. Dort ging man wieder nach der oben stehenden Regel vor: Der Mann hat Einwanderung nicht uneingeschränkt begrüßt, also unterstützt er Pegida. Beklatscht von Intellektuellen wie Heiko Maas. Da half es auch nicht, dass Sinn Einwanderung angesichts der demografischen Entwicklung als quasi alternativlos hinstellte – er tat dies eben nicht, ohne auch auf Nachteile hinzuweisen, und damit verstieß er eindeutig gegen den Dauerkonsens. 

Jeder Versuch, die platte „Pro und Contra“-Diskussion zu verlassen und sich auf das „Wie“ zu konzentrieren, wird von einer medialen Meute wieder eingefangen.

Wenn es noch einen Belegs bedurft hätte, dass unsere Öffentlichkeit mehr und mehr gottesstaatsähnlichen Regeln gehorcht – hier wäre er. 

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