Nicht ganz ohne Verursacher

Wenn es um Dinge geht, über die der Dauerkonsens noch kein endgültiges Urteil gefällt hat – und wie könnte er im vorliegenden Fall, wenn selbst der neue SED-Ministerpräsident Thüringens es als opportun befand, Christ zu sein -, dann findet sich in deutschen Blättern auch hin und wieder ein ganz hervorragender Artikel. Wie der hier: „Diaspora – Kirche vor dem Kollaps“.

Eine zutreffende Beschreibung trifft hier auf eine glasklare Analyse und Ursachenforschung.

Die Spätzeit des Christentums in Deutschland hat begonnen.

Aber warum finden die Suchenden die Wegweiser nicht mehr? Warum passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen? Die populärste Antwort auf diese Frage lautet: weil die Kirche nicht mehr zeitgemäß ist. Sie müsste sich stärker der Lebenswirklichkeit der heutigen Menschen anpassen. Das klingt vorderhand plausibel, ist aber bei genauerem Hinsehen Unsinn. Denn die Evangelische Kirche in Deutschland hat so ziemlich alles getan, was von der katholischen Kirche immer noch verlangt wird, um endlich zeitgemäß zu sein: Frauenpriestertum, Abschaffung des Zölibats, Liberalität bei Moralfragen, volle Akzeptanz von Homosexuellen und Geschiedenen. Wären das tatsächlich die Gründe für die Malaise des Christentums, müsste es den Protestanten viel besser gehen als den Katholiken. Doch das ist nicht so. Ein zweiter Denkfehler kommt beim populären Zauberwort „zeitgemäß“ hinzu: Wo sich die Kirche nicht auf zeitlose, unverfügbare Wahrheiten beruft, entlarvt sie sich selbst als reines Menschenwerk. Politische Programme müssen zeitgemäß sein, Unterhaltungsangebote auch; eine Religion muss absolute Wahrheiten für sich in Anspruch nehmen können – oder es ist keine Religion.

Und dennoch bemühen sich Journalisten in den führenden Qualitätsmedien immer wieder darum, Religion den politischen Gesetzen zu unterwerfen. Leider wurde das auch in diesem ansonsten sehr scharfsinnigen Artikel nicht thematisiert.

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