Die bestätigende Gegenrechnung

Nehmen wir mal an, Ihr Unternehmen liefe so schlecht, dass sie mit jedem zusätzlichen Geschäft einen negativen Deckungsbeitrag erwirtschafteten. Wäre das ein Argument, in ausländische Märkte zu expandieren, wo sie ebenfalls nur negative Deckungsbeiträge erzielen? Einige Journalisten scheinen das zu meinen:

Deutsche Ökonomen akzeptieren die Kritik von Ifo-Chef Sinn an den hohen Kosten für Migranten nicht. Sie machen eine Gegenrechnung auf: Demnach kostet auch jeder Deutsche den Staat netto viel Geld.

So spricht der Qualitäts-Teaser-Ersteller. Leider von den Fakten nicht gedeckt. Erstens ist die Rechnung der anderen „deutschen Ökonomen“ keine Gegenrechnung, und zweitens führt sie auch nicht zur Nichtakzeptanz der Aussagen Sinns. 

„Weil der Staat im Jahr 2012, dem Jahr der Betrachtung, mehr Geld ausgegeben als eingenommen hat, kommt man für jeden Einwohner auf negative Werte.“ Für deutsche Staatsbürger läge der Wert bei 1100 Euro, für Zuwanderer bei 1800 Euro. Tatsächlich kommt Bonin auch in einer aktuellen Studie für die Bertelsmann-Stiftung zu diesem Ergebnis.

Also nicht nur *auch schlechterer* Deckungsbeitrag. Sondern *noch schlechterer*.

Aber was ist damit:

Tatsächlich sei der Anteil der hoch qualifizierten Zuwanderer in den vergangenen Jahren stark gestiegen; aus europäischen Nachbarländern wie Frankreich, Italien und Polen kämen viele junge Menschen mit Hochschulabschlüssen, die hier Arbeitsplätze fänden.

Richtig, das stimmt. Aber niemand vergesse die Magie des richtigen Bezugspunkts. Die massive Kritik an der Zuwanderung aus Frankreich, Italien und Polen dürfte nicht nur diesem Werwohlf hier, sondern auch sonst allen anderen entgangen sein. Und „massiv stark gestiegen“ ist auch, was sich von einem Fall auf drei Fälle multipliziert. Was aber momentan die Lager überfüllt, kommt nicht aus der EU. Könnte man ja mal erwähnen. Aber gut, als Industrievertreter kann man nicht aus seiner Haut: Ein Überangebot an Arbeit ist da immer was Gutes. Welche Folgen die Gesellschaft daran zu tragen hat – andere Baustelle. 

Natürlich, man kann sich darüber streiten, wo sprungfixe Kosten in Deckungsbeitragsrechnungen einbezogen werden. Der Einwand des IW-Ökonoms hat daher seine Berechtigung. Auf der anderen Seite kann man aber eben auch nicht davon ausgehen, dass alle Kosten „Eh-da-Kosten“ sind – irgendwann wachsen auch die mit der Menge. Man kann das auf verschiedene Arten modellieren, aber es ganz herauszulassen, ist der beste Weg in den Ruin. 

„Es hilft, die Zuwanderung nach Qualifikation zu steuern, und es hilft, in Integration zu investieren“, sagt Bonin. „Da sind sich, denke ich, alle Seiten einig.“

Nein. Große Teile der Politik und sonstiger „gesellschaftlich relevanter Institutionen“ sind für Nichtsteuerung.

Advertisements


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s