Ausländerfeindlich?

Begriffe ändern sich. Und so wie Geld haben sie die Tendenz zur Inflation, insbesondere in der politischen Auseinandersetzung. Hat es ein Begriff einmal geschafft, weitgehend anerkannt zu werden, ob nun als Negativum oder Positivum, so kann man damit rechnen, dass er für immer mehr Tatbestände herhalten muss. Stand z.B. „Rassismus“ früher mal dafür, dass einige Typen sich einer bestimmten „Rasse“ zugehörig fühlten und alle anderen „Rassen“ als minderwertig abqualifizierten, wird er heute, insbesondere auf der Linken, aber auch allgemein unwidersprochen, für jede beliebige Unterscheidung verwendet, die sich nicht wie das linke Dogma allein auf Klassenunterschiede bezieht. 

Auch „Ausländerfeindlichkeit“ hat diese Karriere gemacht. Nehmen wir dieses Zitat aus einem „Anti-Pegida“-Artikel von „Spiegel Online“:

Doch noch immer sind auf der Seite ausländerfeindliche Posts zu finden. So schrieb etwa ein Unterstützer, er sei „gegen die Überfremdung Deutschlands, Asylanten und Ausländer, die hier Straftaten begehen“. Er wolle „nachts durch die Stadt laufen können ohne mehr arabisch als deutsch zu hören“. Ein andere schrieb: „Ich bin dagegen, dass eine Minderheit in Deutschland bestimmt, wie wir Deutsche zu Leben haben.“

Was also ist demnach „ausländerfeindlich“? 

Dass jemand gegen „Überfremdung“ ist? Ist „Überfremdung“ etwa wünschenswert? Kann sein, dass diejenigen, die sowas „ausländerfeindlich“ finden, so denken. Aber ist der Wunsch, unter seinesgleichen zu bleiben, wirklich so verwerflich? Ja, wir können darüber diskutieren, wie realistisch er ist, oder wie wünschenswert. Aber der Wunsch an sich, ist er tatsächlich moralisch zu verurteilen? Oder geht es gegen „Asylanten und Ausländer, die hier Straftaten begehen“? Kommt drauf an, wie man das „die“ versteht. Nimmt man an, dass dieses Relativpronomen eine Identität darstellt nach dem Motto „alle Asylanten und Ausländer begehen Straftaten“, dann hätte der Vorwurf seine Berechtigung. Aber versteht man das Relativpronomen so, wie man es im Grunde immer versteht, nämlich als Verweis auf eine Untermenge der ihm vorstehenden Grundgesamtheit, dann – kein Wunder – relativiert sich das. Oder wer wäre für „Asylanten und Ausländer, die hier Straftaten begehen“? Ganz sicher diejenigen, denen es scheißegal ist, wer ins Land kommt – Hauptsache, nicht deutsch. Aber sonst? Der Vorwurf der „Ausländerfeindlichkeit“ lebt dann nur davon, dass man eine sehr originelle Interpretation für die einzig richtige hält. Aber zugegeben: Das kann sich auch alles miteinander vermischen.

Kommen wir zur nächsten, „ausländerfeindlichen“ Aussage: Jemand will nachts durch die Stadt laufen können, ohne mehr Arabisch als Deutsch zu hören. Dieser Wunsch erscheint für jemanden, der in Deutschland lebt, eigentlich völlig legitim. Wer will schon zum Fremden im eigenen Land werden? Außer den Deutschen vielleicht, die alles Deutsche verachten. Aber warum sollte deren psychisches Problem zur allgemeinen Politik werden? Eine andere Frage ist, ob das Szenario überhaupt ein realistisches ist, ob man also irgendwo des Nachts mehr Arabisch als Deutsch zu hören bekommt. Und da muss man sagen: An den meisten Orten dieses Landes sieht es anders aus, aber es gibt Flecken, da könnte es durchaus dazu kommen. Wo also ist das „Ausländerfeindliche“ in dieser Aussage? Oder gilt es schon als „ausländerfeindlich“, wenn man als Deutscher hauptsächlich unter Deutschen wohnen möchte? Wirklich? Zumal den Andersdenkenden mit einer Auswanderung ja schnell geholfen wäre.

Und dann noch der Wunsch, nicht von einer Minderheit bestimmt bekommen zu wollen, wie man als Deutscher zu leben hat. Äh, klingt das nicht irgendwie – demokratisch? Soll also nicht mehr die Mehrheit über das Zusammenleben befinden (aus liberaler Sicht sei hinzugefügt: wenn überhaupt!)? Und ist ein Abweichen von dieser Norm, nur weil die Minderheit vielleicht aus Ausländern oder Migranten bestehen könnte, illegitim? Man muss den Artikel wohl so lesen.

Es ist wohl an der Zeit, eine Warnung vor gefälschten Etiketten herauszugeben. Wo sind die Politikverbraucherschützer?

P.S.: Für die, die es überraschen mag: Der Werwohlf macht sich keine der zitierten Aussagen zu eigen. Er ist gegen jeden, der hier Straftaten begeht. Ihm ist es wurscht, was er nachts zu hören bekommt. Und er will überhaupt nicht, dass andere über ihn bestimmen. 

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