Weihnachten?

Ja, is denn heit scho Weihnachten? Nein, ist es nicht. Heute ist Heiligabend, der Tag vor Weihnachten. Der ist noch nicht mal offizieller Feiertag. Und dennoch ist es zumindest in Deutschland für die meisten Menschen *der* Festtag der Jahreszeit, wenn nicht des ganzen Jahres. 

Schon zu Heiligabend pflegt zumindest hierzlande die ganze Familie (ja, Floskel, trotzdem gut:) aus Nah und Fern zusammen zu kommen, am Heiligabend kommen Christkind oder Weihnachtsmann, am Heiligabend wird das letzte Stück Süßigkeit aus dem Atzventz-Kalender verspeist, anHeiligabend geht man zur Christmette (wenn man denn geht) und an Heiligabend knallen die Weihnachtslieder so richtig rein (wenn sie denn knallen). Zumindest dem Werwohlf bleibt dieser Tag der wichtigste, an dem er auch seiner verstorbenen Eltern gedenkt und der vielen schönen Heiligabende, die man miteinander verbrachte, egal, wie viele Kilometer den Sohn von den Eltern vorher getrennt haben mochten. 

Heiligabend ist auch der Tag der großen Relativierung. Ironisch eigentlich, wo doch gerade in den Wochen zuvor ein Fest des Oberflächlichen gefeiert wird, der in dem „Stress“ gipfelt, den es angeblich bedeutet, seinen Liebsten etwas zu schenken. Oder vielleicht, weil man eben nicht nur an seine Liebsten denken muss, sondern auch an sonstige Bekannte, Verwandte, Geschäftspartner, an Leute, mit denen einen sonst nichts verbindet außer der Hoffnung, sie mögen einem auch weiterhin nützlich sein? Das wäre dann wohl wirklich „Stress“, aber es heißt ja auch aus dem Munde des Geburtstagskinds: „Liebet eure Feinde!“

Ach ja, da war ja noch dieses Geburtstagskind. Schlimm genug, dass es jedes Jahr von neuem im Kitsch ertränkt oder von einem „Ho, Ho, Ho“ brüllenden Kunstprodukt der Werbung niedergewalzt wird, auch die Politik kann es nicht lassen, sich seiner zu bemächtigen. Die einen singen Weihnachtslieder ab, die anderen würden es gerne zur Klientel hinzufügen, für die zu sprechen sie vorgeben. Dabei erinnert uns diese Geburt vor allem an eins: Gott ist nicht mit großer Geste auf diese Welt gekommen, sondern klein und unscheinbar, und er ließ es zunächst auch nur ein paar Insider wissen oder wenigstens ahnen. Und ja, es waren vor allem Außenseiter der Gesellschaft, denen er sich zuerst offenbarte. Wohl auch, weil eben deren Herzen am offensten waren und nicht besetzt von anderen Göttern wie Gier oder eben auch Arroganz und Überheblichkeit. Wer meint, heute selbst mit dem Finger auf andere zeigen und sie der Unchristlichkeit zeihen zu können, der sollte sich vorher vielleicht, auch dies ganz im Sinn des heutigen Jubilars, zunächst an den Balken im eigenen Auge erinnern. 

Wenn wenigstens dieser Gedanke ein paar mehr Tage in das kommende Jahr hinein reichen könnte, wäre dieses Weihnachten schon eins der folgenreicheren gewesen. Hoffen wir es! Und jedem, der sich auf diesen mikroskopisch kleinen Fleck der verblassenden Blogosphäre verirrt hat, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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