Ansteckende Deppen

Wenn die „Pegida-Bewegung“ aus „Deppen“ besteht, so scheint die Beschäftigung mit ihr ansteckend zu wirken. Da erhellt uns ein Politikwissenschaftler mit dieser tiefschürfenden Erkenntnis:

Er sieht vor allem einen Verteilungskonflikt als Ursache für den Unmut in Teilen der Bevölkerung: „Solange das Neuverschuldungsgebot gilt, müssen nämlich die Ausgaben für Flüchtlinge aus jenen Staatseinnahmen entnommen werden, die sich zwar alle zu teilen haben, die aber nicht von allen gleichermaßen aufgebracht werden.“

Offensichtlich ist er der Meinung, Verschuldung würde Verteilungsprobleme lösen. Dass das für jeden ökonomischer Nonsens ist, der schon mal was von Ricardos Äquivalenz oder Opportunitätskosten gehört hat, ist das eine. Aber wo war der Mann nur während der letzten Schuldenkrise?

Und dann dieser Absatz aus dem Online-Auftritt derselben bundesweiten Tageszeitung:

Was wäre aus Weihnachten geworden, wenn vor mehr als 2000 Jahren keiner in Bethlehem „offen“ und „gut“ gewesen wäre und der schwangeren Maria eine Tür geöffnet hätte? Was wäre aus dem Neugeborenen und Josef und Maria geworden, wenn sie auf der Flucht vor König Herodes nicht in Ägypten Asyl gefunden hätten? Und die Weisen, die dem Stern folgten? Sie kamen aus dem Morgenland.

Nun, aus dem Morgenland ins Morgenland, könnte man sagen. Da würde ein „Pegida“-Anhänger nur müde lächeln, denn gegen solche Wanderungsbewegungen hätte er garantiert nichts. Und außerdem. Die drei Weisen brachten Geschenke mit und zottelten danach wieder ab. Das repräsentiert nicht gerade deutsche Einwanderungswirklichkeit. Und was ist mit der Geburt Jesu? Nun, die Forscher streiten sich, aber es gibt wohl nur zwei Erklärungsansätze: Entweder wäre es in einem Stall gewesen, weil „kein Platz in der Herberge war“ (so steht es in den aktuellen Übersetzungen), oder bei Verwandten unter dem Dach. Ersteres wäre ja geradezu Wasser auf die Mühlen für jede „Das Boot ist voll“-Rhetorik, und letzteres: nun, dass Verwandte für die Unterbringung von Gästen aus ihrer Familie sorgen, dürfte auch montags in Dresden kein Kritikpunkt sein. Gegen das Asyl in Ägypten lässt sich wenig vorbringen (höchstens seine historische Unwahrscheinlichkeit), aber es war offensichtlich auch nicht von langer Dauer. Alles in allem: Als Entgegnung auf „Pegida“-Forderungen ist dieser erbärmliche Versuch, die Weihnachtsgeschichte in Stellung zu bringen, eher ein Rohrkrepierer. Irgendwie scheint das Bewusstsein moralischer Überlegenheit ein Einschalten des Gehirns überflüssig zu machen.

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2 Kommentare on “Ansteckende Deppen”

  1. Dirk sagt:

    Aber immerhin wurde jetzt der Anknüpfungspunkt gefunden um der Bewegung Volksverhetzung vorwerfen zu koennen: Das Singen von Weihnachtsliedern


Platz für Senf.

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