Denkende Studenten?

Professoren scheinen Studenten für außerordentlich dumm zu halten (außer rückblickend sich selbst natürlich).

In einem Beitrag auf „Ökonomenstimme“ kritisiert ein VWL-Prof (ok, Bremen…), dass neue, besonders effiziente Lehrmethoden eine kritische Auseinandersetzung mit den behandelten Themen erschwerten. Nach Lektüre des Beitrags erscheint es immer noch zweifelhaft, ob der eigentliche Grund für die beklagenswerten Umstände in den Methoden zu suchen ist oder nicht doch besser in dem Umfeld, in dem sie eingesetzt werden. Aber das soll hier nicht der Punkt sein. Denn der knüpft vor allem hieran an: 

Der empfohlene Studienplan hat seinen Schwerpunkt in der Vermittlung aller Aspekte des Modells der vollständigen Konkurrenz. Dieses Modell umfasst mehr als die Hälfte des Buchinhaltes. Die Relevanz für die Realität von Märkten ist begrenzt. Wichtige Kritik zur ewigen Gleichgewichtstendenz von Märkten, wie das Cobb-Web-Theorem, fehlt völlig. Adäquate Behandlung der dynamischen Analyse von Märkten? Fehlanzeige. Kann man diese falsche Schwerpunktsetzung vermeiden? Nein, denn hier wird ein für spätere Themen erforderliches Instrumentarium vorgestellt. Themen mit größerer praktischer Relevanz wie Monopol, Oligopol und Preisdifferenzierung werden noch kurz vorgestellt, aber nicht mit der gebotenen Intensität. Die Studenten nehmen für ihr Berufsleben problematische Botschaften mit: ‚Märkte tendieren immer zum Gleichgewicht.‘ ‚Staatliche Eingriffe verursachen Einbußen an gesellschaftlicher Wohlfahrt.‘ Gerade im Lichte der Krisenerfahrungen seit 2007 darf Mikroökonomie nicht mehr unreflektiert und konzentriert auf die formalen Ableitungen vermittelt werden, ohne wissenschaftliche Ansprüche aufzugeben.

Selbst wenn wir der Kritik des Autors im Kern zustimmen (und welcher „Österreicher“, obwohl vom Autor mutmaßlich nicht in Betracht gezogen, täte das nicht?), so ist doch das Bild von den Studenten als Masse, die das ihnen Gebotene nicht nur unkritisch aufnimmt, sondern sich sogleich auch zu eigen macht, eher erschreckend. Unter Werwöhlfen galt es jedenfalls auch zu Studentenzeiten als geboten, das Dargelegte erstmal zu verstehen, um dann selbständig nach alternativen Erklärungen zu suchen. Dass eine Verinnerlichung von Glaubenssätzen erforderlich sei, wurde weder vermittelt noch praktiziert. Ein vorgestelltes Modell war ein vorgestelltes Modell – und nicht etwa ein Muster, von dem der Student anzunehmen hatte, es repräsentiere unzweifelhaft die Wirklichkeit. Wäre es danach gegangen, würde auf diesem Blog wirtschaftlich nur Keynes gepredigt – und vielleicht noch die sicher spannenderen Post-Keynesianer. Stattdessen las dieser Wohlf Henry Hazlitt und war daraufhin für die an der Uni herrschende VWL-Lehre verloren. Nicht, dass er die Examen nicht dennoch bestanden hätte – aber das war eben nur eine Fingerübung, keine Anpassung an die Wirklichkeit. Auch das darf man kritisieren, aber das wäre dann eine andere Ebene.

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