Bullshit-Prüfung

Wahrscheinlich muss man als zukünftiger bei der FAZ für das Feuilleton zuständiger Herausgeber unter Beweis stellen, Bullshit verzapfen zu können. Vorzugsweise von Dingen, von denen man keine Ahnung hat. Jedenfalls fällt mir keine bessere Erklärung zu diesem Unsinn von Jürgen Kaube ein:

Hier nun wartet Brewer mit der deprimierenden These auf, dass gerade das erzwungene Lächeln von den Kunden konsumiert werde. Denn ein solches Lächeln, dessen Natürlichkeit offenkundig auf Arbeit beruht, könne „öffentlich demonstrieren, dass ein Mensch seine Abhängigkeit von einem anderen anerkennt, die ihn zwingt, sich bei diesem einzuschmeicheln, ohne eine Erwiderung dieser Freundlichkeit zu erwarten“. Im emotionalen Zentrum der Dienstleistungsökonomie stünde, so verstanden, das Bedürfnis der Kunden, sich als Chef ihres jeweiligen Gegenübers fühlen zu können. Hierzu sind die Studien einschlägig, die Sarah Tracy auf einem Kreuzfahrtschiff betrieben hat, dessen Personal der kategorische Imperativ „Wir sagen niemals nein“ eingehämmert wurde. Es werde, so Brewer, in vielen Dienstleistungsbereichen Unterwürfigkeit mitkonsumiert.

Oder doch: Er zitiert ja nur. 

Aber mal rausgehen würde ja helfen. Dieser Werwohlf ist im Jahr sehr oft unterwegs, aber das beschriebene künstliche Lächeln ist ihm zumindest in Deutschland noch nie begegnet. Im Gegenteil, meist lächelt er das Servicepersonal zuerst an, und in nicht mehr als der Hälfte der Fälle kommt dann auch ein Lächeln zurück. Es ist also womöglich kein Wunder, dass die zitierten Studien von Angelsachsen, mutmaßlich sogar Amerikanern, durchgeführt wurden. Denn wie jeder USA-Tourist weiß, begegnet einem dieses „künstliche Lächeln“ dort tatsächlich des öfteren. Allerdings, so zumindest die wöhlfische Erfahrung, nicht nur beim Servicepersonal, sondern auch beim hundsgemeinen Amerikaner „an sich“, was den Schluss nahe legt, dass es sich hier mehr um eine gesellschaftliche Konvention als um eine neue Form der Entfremdung handelt. Und, so muss der USA-Tourist wohl meistens auch eingestehen, dieses Lächeln verursacht bei ihm nicht das Gefühl von Macht, sondern eine eher eine allgemein positive Stimmung, verbunden mit einem Schuss Dankbarkeit gegenüber diesem Menschen, der einen da so anlächelt. 

Aber man kann ja alles kaputt reden. Muss man wahrscheinlich sogar als Kritiker des Kapitalismus oder der Gesellschaft oder von allem zusammen.

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Platz für Senf.

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