Ist es auch Schwachsinn, so hat es doch Methode

Die Union hat noch ein wenig Widerstand gespielt, um dann doch wieder auf Linie einzuschwenken: Die Frauenquote Unternehmen kommt wie geplant. Unser Volk scheint auch einhellig dafür zu sein, wie dessen Vertretung, der Bundestag, nahe legt: Kritik kommt höchstens von denen, denen der Gesetzentwurf nicht weit genug geht. 

Interessierte Betroffene schossen bis dahin aus allen Lagen. Wer sich gegen die Frauenquote wandte, wurde einseitig des weltanschaulichen Kampfes geziehen oder ihm wurden gleich „Vorbehalte gegen Frauen in der Arbeitswelt“ unterstellt

An anderer Stelle hat Gideon Böss schon ebenso präzise wie schonungslos Pro-Quote-Argumente auseinandergenommen. Die beiden oben genannten hat er nicht gewürdigt, aber sie zielen zugegebenermaßen auch nicht zu den besonders hellsten. Gerade richtig also für die 2. Liga der Quotenkritiker, z.B. die Werwohlfe unter uns. 

Nehmen wir mal das Argument des „weltanschaulichen Kampfes“. 

Und den Verfasser dieses Blogeintrags als Kritiker der Quote. Er ist der Meinung, dass Unternehmen selbst entscheiden sollen, wer bei ihnen welche Führungspositionen einnimmt. Immerhin tragen sie auch die Folgen, wenn sich die Personalauswahl als falsch herausstellt. Er ist weiterhin der Meinung, dass nur konkrete Personen diskriminiert werden können und keine Gruppen. Wenn die weniger qualifizierte Frau F aufgrund der Quote dem Herrn H vorgezogen wird, ist damit keine einzige Ungerechtigkeit ungeschehen gemacht, bei der eine andere Frau ungerechtfertigt gegenüber einem anderen Mann das Nachsehen hatte, weil vielleicht mal eins der vielen in der Realität praktisch nie zu beobachtenden Phänomene zutraf und die Entscheidung sexistisch motiviert war. Im Gegenteil, man hätte damit bestehenden Ungerechtigkeiten nur eine weitere hinzugefügt. Man frage sich jetzt, wie stark welcher weltanschauliche Einfluss auf die Überlegungen dieses Bloggers Einfluss genommen haben möge. Und welcher auf die der Quote-Fans, die solche Einwände nicht interessieren.

Die Bemerkung von Frau Schwesig ist die dämlichste, denn um „Arbeitswelt“ geht es hier zuallerletzt. In der Arbeitswelt sind Frauen nämlich durchaus sehr gut vertreten, nur eben nicht in Führungsetagen von Unternehmen. Warum dies so ist, dafür gibt es diverse nachvollziehbare Gründe, aber Sexismus bei der Personalauswahl ist, sofern überhaupt nachweisbar, sicher einer geringsten darunter. Man könnte jetzt daran gehen, diese Gründe entweder hinzunehmen, weil sie freien Entscheidungen der Betroffenen entsprechen. Oder dafür zu sorgen, sie zu beseitigen, insofern dadurch die Entscheidungsfreiheit der Einzelnen vergrößert wird. Beides legitim. Aber Politik tickt eben anders. Erst recht solche mit weltanschaulichem Auftrag. Freie Entscheidungen Einzelner, die im Ergebnis nicht dem politischen Idealbild entsprechen, gelten dort als zu korrigierender Fehler. Und Ergebnisse werden nicht dadurch erzielt, dass man Voraussetzungen verbessert, sondern durch das Fassen von Beschlüssen. Wenn Sie nicht zufrieden sind, verpflichten wir Sie eben per Gesetz dazu. Basta. Nur so kann die Politikerin (in diesem Blogeintrag wird aus Gründen der Gendergerechtigkeit willkürlich mal die weibliche und mal die männliche grammatische Form benutzt) ihre Existenzberechtigung nachweisen. Ein Argument, dass auch Frau Merkel versteht, so sie denn so etwas wie eine andere oder überhaupt eine politische Richtung vertreten würde.

Und weil das dann eben nur so geht, behandelt die Politik dann alle Unternehmen wie Prokrustes seinerzeit seine Gäste. Völlig egal, wie hoch der Frauenanteil da jeweils ist: dieselbe Quote für alle. Und wenn, weil es da schön mit Teilzeitarbeit geht, Hunderte Frauen beim Lebensmittelkonzern an der Kasse sitzen, wegen des rauen Umgangs im Handel aber keine dort ins Management möchte, dann soll der Lebensmittelzar zum Geier eben sehen, wo er seine Managerinnen herbekommt. Vielleicht unter in ihren Berufskreisen anerkannten Politkerinnen und Journalistinnen? Und wenn Maschbau zu studieren den meisten Frauen zu öde ist – kürbisegal! Dann hat die Frau an der Spitze eben keine Ahnung vom Autobau. Volkswagen wird davon nicht untergehen. 

Das ist wahrscheinlich sogar richtig. Die Quote wird die Volkswirtschaft nicht zerstören, noch nicht mal einzelne Unternehmen. Aber sie ist, wie von ihren Verfechtern gewünscht, eben ein Signal. Allerdings ein etwas anderes. Eins, das genau so leuchtet wie die Rente mit 63 oder die Maut. Auf allen Frequenzen wird hier vor allem eins signalisiert: Auf die Deutschen kann man in Europa zukünftig nicht mehr zählen, wenn denen nichts anderes einfällt, als schon in ihrem eigenen Land alle Probleme durch ideologische Politik mehr wegzuwünschen als zu beseitigen. Das können die vielgescholtenen Südländer besser und vor allem auch charmanter. Und die wissen letztlich immer, wer die Zeche zahlt. 

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