Flüchtlinge: Kritik ohne Position?

Mal wieder ein schönes Beispiel der Rumpelstilzchen-Position in der Flüchtlingsdebatte: FAZke Frank Lübberding entlarvt die ihm nicht genehmen Positionen als moralisch unlauter bis verlogen, verrät aber auf keinen Fall die als generelle Handlungsanweisung aus seiner Sicht zu bevorzugende Alternative. Jedenfalls nicht explizit.

Alle waren sich darin einig, den wahren politischen Flüchtling „nach der Genfer Konvention“ aufnehmen zu wollen. Diese Figur ist die Lebenslüge Europas, weil er schon 1943 nicht mehr existierte. Wer daran festhält, wie Müller-Vogg oder Frauke Petry, AfD-Vorsitzende aus Sachsen, belügt erst sich selbst, anschließend sein Publikum.

Konsequent wäre es, würde Lübberding deswegen eine Anpassung des Grundgesetzes forderte, denn uneingeschränkt Asyl genießen diesem zufolge eben nur politische Flüchtlinge, weswegen es hierzulande dann auch diese umständlichen Anerkennungsverfahren gibt. An diesen passt Lübberding allerdings anscheinend nicht, dass sie meistens mit einer Ablehnung enden, denn ebenso anscheinend (explizit verraten tut er es ja nie) tritt er für eine Aufweichung der strengen Kriterien ein. 

Immerhin taucht er ein wenig aus seiner Deckung auf, indem er verdeutlicht, dass die berühmte „gesteuerte Zuwanderung“, die von FDP bis AfD gerne als Lösung ins Feld geführt wird, zwar ganz nett sei, aber erstens nicht genug Ausländer ins Land bringe 

Das ist auch das Problem der „Green Card“ gewesen. Die Kriterien so hoch und restriktiv anzulegen, dass aus der gesuchten Gruppe der Hochqualifizierten kaum jemand Deutschland als ein attraktives Einwanderungsland versteht. Sie können sich nämlich aussuchen, wo sie hinwollen.

und zweitens ja maximal ein Add-On sein könne, weil mit ihr nur diejenigen ausgegrenzt werden sollen, die man „Wirtschaftsflüchtlinge“ nennt.  Er bringt dazu dann auch ein Beispiel einer gelungenen Integration trotz fehlender Regel, aber spätestens da wird es auch für ihn schwierig, „Flüchtlinge“ von simplen „Einwanderern“ abzugrenzen. Wenn er das denn je wollte. Dass eine nach Qualifikation gesteuerte Einwanderung nicht das letzte Wort haben soll, erschließt sich uns aus dem Satz, auch nicht jeder Deutsche werde eben Chefarzt. Sprich: Einwanderung ist aus Lübberdings Sicht nichts, was ein Staat anstreben sollte, damit es ihm nutze. Stattdessen scheint Lübberding (wenn es denn mal je aussprechen würde…) auf eine moralische Pflicht abzuheben, wofür auch das heftige Zitieren von Papst-Worten spräche und das unvermeidliche Wedeln mit dem Leichentuch, als ob die Notsituationen im Mittelmeer nicht bewusst mindestens von den Schleppern herbeigeführt würden, um damit den Landgang auf EU-Territorium erzwingen zu können. AfD-Sprecherin Petry wird von ihm interessanterweise gerade dann nicht abgewatscht, als sie die Flüchtlingssituation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erwähnt, wo Flüchtlinge auch in Privathäuser einquartiert wurden. Ob Frank Lübberding darauf in seiner Wohnung ein paar Zimmer frei gemacht hat, verrät er uns leider ebenfalls nicht. Wobei man, seine übrigen Werke kennend, wohl vermuten darf, dass auf den moralischen Appell die Forderung nach der gerechten Verteilung auf dem Fuße folgen dürfte, so dass die Arbeitsteilung zwischen fordernden armen Journalisten und liefernden reichen Bürgern gewaht bleiben könnte. 

Dem Wohlf würde ja schon reichen, wenn Lübberding & Co, nur diese zwei Fragen eindeutig beantworten würden:

1. Soll Einwanderung überhaupt begrenzt werden?

2. Wenn ja, wie? Wenn nein, wozu dann noch Staatsgebiet?

Die Positionen, die sich daraus ergäben, können wir dann ja gerne in der deutschen Öffentlichkeit diskutieren. Aber so lange jemand wie Lübberding um diese herumlaviert, dürfte der Abstand zur Verlogenheit kürzer sein als von ihm angenommen.

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