Eine Überlegung wert

Wer kennt nicht Henryk Broders These, dass (jetzt mal in meinen Worten umschrieben) Antisemtismus heutzutage vor allem als Phänomen der Vergangenheit betrachtet wird, das man in Denkmälern und Gedenkstätten gebannt zu haben meint, während er sich aktuell vor allem hinter der Maske des „Antizionismus“ wieder ungehemmt austobt. 

Und man kommt auch nicht umhin zu sagen: Da hat er jedenfalls nicht völlig Unrecht. Aber vielleicht ist das ja kein Phänomen, das nur den Antisemitismus betrifft. Vielleicht ist es ja generell so, dass unsere heutige Gesellschaft moralischen Konsens nur in der Vergangenheit findet, während die Gegenwart von einer ideologisch-gewaltbewehrter Doktrin in eine andere Richtung gelenkt wird.

Schauen wir uns an, wie dieser Staat, wie die Gesellschaft, die er zu repräsentieren vorgibt, mit den Soldaten umgeht, die er in kriegerische Auseinandersetzungen (Kriege an sich gibt es ja nicht mehr…) schickt. 

Nicht nur, dass er ihnen zum Teil nur eine äußerst minderwertige Ausrüstung zur Verfügung stellt, auch die im Kampf Gefallenen werden behandelt wie Parias. Man sondert das Gedenken an sie aus, ja man versteckt es geradezu. 

Das erscheint zunächst absurd. Die Soldaten der Bundeswehr werden nicht von Gewaltherrschern und sonstigen Usurpatoren in den Krieg, sorry: die kriegerischen Auseinandersetzungen, geschickt, sondern von einem demokratisch gewählten Parlament. Sie hatten bisher keinerlei Eroberungsauftrag (mal abgesehen davon, dass ein solcher auch gegen das Grundgesetz verstieße). Und ihr Handeln unterliegt strengen Maßstäben – kleinste Abweichungen werden nicht nur sofort kritisch bundespolitisch diskutiert, sondern auch strafrechtlich gewürdigt. Kurzum: Eine moralisch besser begründete Armee hatte das moderne Deutschland nie. Und dennoch stellt man für die (bisher nur) Männer, die im Einsatz nicht für ihr Vaterland, aber für ihr Parlament gefallen sind, nicht inmitten von Städten Denkmäler auf, sondert legt diese so, dass man als normaler Mensch praktisch keine Chance hat, jemals damit in Berührung zu kommen. 

Warum dieser Staat so handelt, lässt Raum für Spekulationen. 

Da wäre zum einen der Gedanke, dass in unserer Wohlfühlgesellschaft, die mit zig Health- und Fitness-Geboten die Gewissheit der Begrenzung menschlichen Lebens zu vertreiben sucht, so etwas wie im Kampf gestorbene junge Menschen nicht vorkommen soll. Schlechtes Karma und so. Daher wird nur mal kurz über die berichtet, aber dann soll es auch gut sein. Könnte zutreffen.

Aber es gibt auch noch eine andere Begründung, nämlich die, dass dieser Staat Angst hat. Angst, dass eine Sorte von Gewalt, die in der akademischen Welt, den Medien und der Politik als gesellschaftliche Komponente mindestens geduldet, wenn nicht sogar geschätzt wird, sich gegen eine öffentlich zugängliche Gedenkstätte wenden und diese wenn nicht zerstören, dann doch wenigstens verunstalten würde. Man will das den Angehörigen der Toten nicht zumuten, aber man hat auch weder den Mumm noch eine hinreichende Überzeugung gegen diese Gewalt vorzugehen. Schließlich sind Losungen wie „Nie wieder Deutschland“ oder „Nie wieder Krieg“ offiziell als Gewalt begründende akzeptiert – man frage nur mal Ministerin Schwesig. 

Das Absurde manifestiert sich also schon früher: An wichtigen von diesem Staat alimentierten Positionen sitzen mittlerweile Menschen, die diesen Staat nur noch als Steinbruch akzeptieren, mit seiner Idee, wie sie im Grundgesetz formuliert wurde, aber nichts mehr am Hut haben. Jeder Mensch, der die mittlerweile zum Beruf verkommene Tätigkeit des Soldaten anstrebt, sollte sich bewusst machen, dass er von Leuten aufgefordert wird, das eigene Leben zu riskieren, denen er nicht mal einen Pfifferling wert ist, weil er dem Staat dient, den sie entweder im Grunde ihres Herzens ablehnen oder nicht den Mut haben, gegen seine Gegner zu verteidigen. 

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