Lass sehen!

Im Grunde begrüße ich die jüngsten Aussagen Gaulands. Nicht, weil ich sie teile. Sondern, weil sie vielleicht zu der notwendigen Klärung beitragen, die ich für unvermeidlich halte. 

Es geht natürlich darum, in welche Richtung sich die AfD bewegt. Mag man die Vorstellungen Henkels noch mit „FDP revised“ charakterisieren (und damit an den ohne Zweifel in der AfD vorhandenen liberalen Flügel appellierend), so wäre „CDU revised“ für die Vorstellungen Gaulands wahrscheinlich viel zu wenig: Der Mann will viel weiter nach rechts, als die CDU es in ihrer Gesamtheit je war. So stand z.B. die Westbindung in der Union spätestens mit Adenauer nie mehr zur Diskussion, während Gauland sich an der Zustimmung von ganz Linken und ganz Rechten berauscht, die aus antisemitischen und/oder antiamerikanischen Motiven heraus weder etwas mit den internationalen Organisationen anfangen können, denen die Bundesrepublik angehört, also z.B. mit NATO und EU generell, noch eine zumindest verbal sich auf Freiheit der Märkte berufende Wirtschaftsordnung zu schätzen vermögen. Da fehlt dann überall die gute Absicht, sei es nun die gaulandsche, patriotische oder die linke, soziale. 

Gauland meint, die Parteibasis ticke wie er. Damit könnte er sich irren. Gerade im Westen, den der brandenburgische Spitzenkandidat wohl weniger im Fokus haben wird, der aber gesamtdeutsch nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist, ist die AfD auch sehr von enttäuschten FDP-Mitgliedern geprägt, die jetzt so gar keinen Grund sehen, warum sie z.B. Herrn Putin auf einmal besonders gut finden sollten. Aber selbst wenn Gauland Recht hätte, übersieht er, dass eine solche Positionierung, wie sie ihm vorschwebt, in Deutschland nicht mehrheitsfähig ist. Dem könnte er entgegen halten: Die Position von Henkel auch nicht. Und beides könnte stimmen. Was aber auch heißt: Die AfD hat nur dann eine Chance, wenn sie es schafft, liberale und konservative Strömungen zu vereinen. Sie wird auf jeden Fall scheitern, wenn sie mit einer von beiden Seiten allein weiter machen wollte. Und sie wird verdammt schnell scheitern, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit in das Lager abdriftet, in dem sich schon die „Pro“-Parteien, die NPD, die „Rechte“, die „Republikaner“, die „Freiheit“ und alle sonstigen von ihren jeweiligen Freunden als Rettung des Landes angepriesenen Parteien gegenseitig auf den Füßen stehen, um ein paar für die Parteienfinanzierung wichtige Zehntelprozente zu erhaschen.

Außerdem: Wer „nationale Gesinnung“ mit einer Anbiederung an Willkürherrscher wie Putin verbindet, verrät den ursprünglich eng mit der Umsetzung der Demokratie verbundenen nationalen Gedanken, wie er gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland Fuß fasste. Die „Nationalen“ verraten also ihre eigenen Grundlagen. Für sowas sollte sich die AfD nicht hergeben. 

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