Der Feind meines Feindes

„Hooligans gegen Salafisten“ – das lässt in einem doch den Wunsch hochkommen, die beiden Parteien mögen sich irgendwo treffen, wo sie sonst niemanden behelligen und dann zur Tat schreiten. So, wie es die Hooligans in der Regel auch zu tun pflegen – es sei denn, sie richten sich gegen die Polizei, was des öfteren vorkommt und auch bei dieser Kölner Demo. Schon weil die Salafisten als Gegner gar nicht Präsenz zeigten, das Testosteron aber irgendwie seinen Tribut forderte. Nun fällt das, was die Hooligans und wohl auch einige in der Wolle gefärbte Nazis da veranstalteten, unter Autonomen eher in die Rubrik „Kaffeepause“, aber nicht gänzlich unerwartet reagierten Politik und Medien, als stünde die Machtergreifung wieder einmal bevor. Gewalttätige Rechtsradikale dürften in diesen Kreisen als das Wunschszenario schlechthin gelten – da kann man dann wieder den antifaschistischen Widerstand pflegen und alle anderen Formen der Bedrohung der öffentlichen Ordnung ignorieren. 

Selbstverständlich ist der Feind meines Feindes nicht automatisch mein Freund. Wer sich mit Salafisten nicht anzufreunden vermag, weil diese nicht nur Frauen, Andersgläubige und sonstige Minderheiten sehr nachdrücklich zu unterdrücken pflegen (so dass unsere „Diskriminierung“ denen eher wie das Paradies vorkommen müsste), wird deswegen noch lange nicht primitive Hohlköpfe begrüßen, die als Argument nur Gewalt kennen und mit Andersdenkenden ähnlich wie ihr auserkorener Gegner umzugehen pflegen. 

Es ist ja die alte Leier: Der demokratische Rechtsstaat definiert sich nicht durch das, was ihm fremd ist, sondern durch das, was ihn auszeichnet. Also reicht so eine platte Formel wie „gegen Salafisten“ nicht aus – da fehlt schon noch, *wofür* man sich eigentlich einsetzt. Und das betrifft selbstverständlich auch die Reaktion auf solche Auswüchse.

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